LJVB und LBV fordern, dass Schneisen in Äckern ohne bürokratischen Aufwand angelegt werden können. Außerdem soll die Trichinenprobengebühr für Wildschweine bis 20 kg entfallen.

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In Polen sind im vergangenen Jahr mehrere Fälle der Afrikanischen Schweinepest nachgewiesen worden. Die aggressive Seuche droht, sich bis nach Deutschland auszubreiten und erhebliche Schäden in der Landwirtschaft anzurichten. Ein wesentlicher Verbreitungsweg führt über die Wildschweinbestände. Tierarzt und Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg e.V. (LJVB) Dr. Wolfgang Bethe sagt: „Das Virus ist hochansteckend und für Schweine tödlich. Daher sollten alle Restriktionen, die eine effektive und flächendeckende Schwarzwildbejagung unterbinden, aus dem Weg geräumt werden.“

In Brandenburg sind die landwirtschaftlichen Schläge traditionell groß. Um die Jagd zu erleichtern, legten die Landwirte daher in Absprache mit den örtlichen Jägern oft entsprechende Schneisen als Sichtachsen an. Diese Flächen wurden im Flächennutzungsnachweis einfach und unbürokratisch mit einem gesonderten Nutzungscode versehen. Ein gemeinsames Projekt von Bundeslandwirtschaftsministerium, Bauern- und Jagdverband hat 2011 gezeigt: Jagdschneisen, angelegt zur Aussaat des Maises, sind ein probates Mittel, um den Jagderfolg zu erhöhen. Außerdem wurde durch Aussaat von niedrig wachsenden Wildkräutern der Lebensraum Feldflur aufgewertet, wovon viele Arten profitierten.

„Diese unbürokratische Möglichkeit entfällt nun leider“, kritisiert Udo Folgart, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg. Im Zuge der Reform der GAP können entsprechende Streifen im Rahmen der ökologischen Vorrangflächen zwar nach wie vor gefördert werden. Der bürokratische Aufwand für den Landwirt steigt jedoch enorm. Er muss nun jeden Schlag einzeln ausweisen. „Dies wird sich in der Praxis kein Landwirt antun“, sagt Folgart. „Das Risiko einer Sanktion wegen ungenauer Herausrechnung ist einfach zu hoch.“

Darüber hinaus wird die Aussetzung der Trichinenprobengebühr für Wildschweine bis zu einem Gewicht von 20 Kilogramm gefordert. Diese vergleichsweise kleinen Tiere liefern relativ wenig Fleisch, so dass bei den niedrigen Wildfleischpreisen Fahrtkosten und Gebühr den Erlös schnell übersteigen. Dies führt in der Praxis dazu, dass die Erlegung körperlich schwacher Stücke unattraktiv ist. „Gerade die Frischlinge müssen aber besonders intensiv bejagt werden, wenn man es mit einer Bestandsreduktion ernst meint“, sagt Bethe. „Die Kosten für die Jäger sollten daher so gering wie möglich gehalten werden.“ Der praktizierende Tierarzt fordert darüber hinaus, ein engeres Netz von Annahmestellen für Proben einzurichten sowie die mitunter kurzen Öffnungszeiten zu verlängern. Diese Forderung unterstützt der Landesbauernverband. „Wenn die Landkreise nicht in der Lage sind, diese sinnvolle Maßnahme finanziell zu meistern, müssen wir andere Wege und Möglichkeiten finden“, sagt Folgart. „Die Kosten zur Prävention sind im Vergleich zu dem, was im Seuchenfall gezahlt werden muss, Peanuts.“

Der Ausbruch der ASP hätte massive wirtschaftliche Folgen für die Landwirtschaft und die nachgelagerte Verarbeitungsindustrie. Eine Impfung ist nicht möglich. Nach Einschleppung der ASP kann eine erfolgversprechende Bekämpfung nur durch Tötung infizierter und ansteckungsverdächtiger Tiere erfolgen.

LJVB/LBV