Bezugnehmend auf das Schreiben vom 26.11.2021 an den Direktor des Landesbetriebes Forst Brandenburg „Illegale Fütterung von Wild im Land Brandenburg in Zeiten der ASP“

Sehr geehrter Herr Dr. Leßner,

wir vertreten als Präsidium eines Verbandes mit 10.000 Mitgliedern ca. zwei Drittel der Jägerschaft in Brandenburg. Ihr an den Direktor des Landesbetriebes Forst Brandenburg, Herrn Hubertus Kraut, gerichtetes Schreiben vom 26. November 2021 wird unterdessen vielfach über soziale Medien geteilt und kommentiert. Es wirft ein Streiflicht auf eine Denk- und Vorgehensweise Ihrer Behörde, die uns Jägerinnen und Jäger enttäuscht und verärgert. Unsere berechtigte Erwartung, dass eine Behörde sich ihrer Verantwortung bewusst ist und sich vor ihrem Handeln sorgfältig mit fachlicher und juristischer Expertise ausstattet, ist ein weiteres Mal nicht erfüllt worden. Stattdessen stellen Sie pauschal alle Jägerinnen und Jäger unter einen Generalverdacht und lassen die notwendige Fachkompetenz in Ihrem oben genannten Schreiben vermissen. Richtig ist, dass das Rausche-Eintrittsalter und -gewicht bei Frischlingsbachen seit Jahrzehnten sinkt. Dieses Phänomen ist in der gemäßigten Klimazone nicht nur beim Schwarzwild zu beobachten. Selbst vom Menschen ist dieser Umstand bekannt und noch nicht restlos geklärt. Die Ursache beim Schwarzwild im Anlegen von illegalen Fütterungen zu suchen, mutet vor diesem Hintergrund absurd an. Selbst Berechnungen mit deutlich übertriebenen Annahmen zur Menge von an Kirrungen und/oder illegalen Fütterungen ausgebrachten Energiemengen ergeben, dass diese im Vergleich zu Feldfrüchten und Waldmasten allenfalls eine marginale Größenordnung annehmen können.
Der Körnermais (als eine der potenziellen Hauptenergiequellen) ist mancherorts erst seit wenigen Tagen vom Halm. Keine Jägerin und kein Jäger betreibt Kirrungen (in extremen Ausnahmefällen vielleicht auch in unzulässiger Größe), um dort Sauen lediglich mittels Wildkamera aufzunehmen.
Ziel ist immer, Strecke zu machen. Schon deshalb haben Sauen, die sich die Futteraufnahme an Kirrungen angewöhnen, ein kurzes Leben, was die Reproduktionschancen deutlich minimiert.
Es ist enttäuschend, dass Sie eine Ihnen zur Verfügung stehende Einrichtung, wie das Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde, offenbar nicht kontaktiert haben.
Ein Rechercheauftrag ohne vorformulierten Erwartungshorizont hätte erreichen können, dass Ihr im Brief geäußertes Anliegen nicht durch eine derart eklatante fachliche Fehleinschätzung konterkariert worden wäre. Es geht nicht um emotionale Diskussionen, nicht um Jägerlatein und nicht um einen akademischen Streit. Es geht darum, dass Sie mit Ihrem Vorgehen dringend notwendiges Vertrauen in Sie als den Leiter der Obersten Jagdbehörde und das Handeln Ihrer Behörde beschädigen und erschüttern.
Die Jägerschaft, welche in der überwiegenden Mehrheit in unserem Verband organisiert ist, gehört bisher zur mit Abstand aktivsten gesellschaftlichen Gruppierung im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). Dies belegen auch die Zahlen aus der Jagdjahresstatistik 2019/2020, aus denen hervorgeht, dass der Streckenanteil aus der Verwaltungsjagd beim Schwarzwild bei lediglich 10,18 Prozent liegt. Knapp 90 Prozent der Schwarzwildstrecke wird von privaten Jägerinnen und Jägern beigetragen!
Neben der regulären Jagd sind in den Restriktionszonen flächendeckend unsere Hundeführer und Drohnenpiloten nahezu täglich im Einsatz. Gerade bei diesen Aktiven ist die Enttäuschung besonders groß, dass Sie die Jägerschaft unter den Generalverdacht stellen, durch illegale Fütterungen Schuld am Misslingen der Eindämmung der ASP zu tragen und gar einen Sabotagevorwurf formulieren. Damit sind Sie in jeder Hinsicht sachlich wie fachlich deutlich über das Ziel hinausgeschossen.

Die Forstbediensteten leiden nach wie vor unter dem Stellenabbau. Bei Durchsetzung der kommenden Forstreform wird die Flächenpräsenz weiter minimiert. Unter diesem Gesichtspunkt verwundert es schon, wenn bei ohnehin flächig spürbarer Überlastung ein zusätzlicher Arbeitsschwerpunkt, wie das Anzeigen von Fütterungen, gesetzt wird. Hinzukommend sind die Revierförsterinnen und Revierförster aus den Hoheitsoberföstereien Vertreter des Forstrechts und somit die Untere Forstbehörde. Die Kontrolle der privaten Jagdflächen obliegt den Unteren Jagdbehörden. Noch dazu, wo schon jetzt klar ist, dass diese „Maßnahme“ keinerlei positiven Einfluss auf die Lösung des Problems einer weiteren Ausbreitung der ASP haben wird.

Verstehen Sie uns, die Jägerschaft des Landes Brandenburg, endlich als einen Ihrer wichtigsten Partner im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest! Wir sind gern bereit, bei unseren Mitgliedern für die Umsetzung nachvollziehbarer wissens- und faktenbasierter Entscheidungen Ihrer Behörde zu werben.
Wir werden uns jedoch schützend und falls notwendig auch juristisch, vor jedes unserer Mitglieder stellen! Wenn der Eindruck entsteht, dass Ihr Handeln oder das Ihrer Behörde rein ideologische oder persönliche Gründe verfolgt, werden wir die Jägerschaft zum offenen Protest ermuntern.

Mit freundlichen Grüßen

Das Präsidium des Landesjagdverbandes Brandenburg

 

Offener Brief_LJVB_08122021