Wildtier-Informationssystem

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WILD_Wildtierinformationsystem_Rundsatz__RZ_c84m37y78k32Im Jahr 2017 fand im Rahmen des Projektes „Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands“ (WILD) Auch der Landesjagdverband Brandenburg hat sich wieder –zusätzlich gefördert aus der Jagdabgabe Brandenburgs – beteiligt. Durch die Unterstützung der Unteren Jagdbehörden, welche dankenswerterweise die Formulare an die Jagdausübungsberechtigten verschickt haben, konnte wieder eine sehr gute Beteiligung von 75 % der Jagdfläche Brandenburgs erreicht werden. Neben den klassischen Niederwildarten Feldhase, Wildkaninchen, Rebhuhn und Fasan standen wieder die gebietsfremden Arten Marderhund, Waschbär und Mink im Fokus der Betrachtungen. Auch Daten zum Vorkommen von Iltissen sowie Stein- und Baummarder wurden erfasst. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Erhebung der Vorkommen verschiedener Gänsearten, darunter unsere heimische Graugans und die vier Neozoenarten Kanada-, Nonnen-, Nil- und Rostgans.

Die Ergebnisse der Erfassungen im Frühjahr 2017 zeigen, dass die Besätze von Hase, Kaninchen, Fasan und Rebhuhn auf einem sehr geringen Niveau liegen. So wurden im Mittel 2 bis 3 Hasen/100 ha Jagdbezirksfläche angegeben. Auch vor dem Hintergrund, dass es sich um den Mindestbesatz handelt, bleibt die Gesamtpopulation in Brandenburg gering. Wildkaninchen kommen nur in 6 % und Rebhühner in 15 % der 3.059 beteiligten Jagdbezirke vor. Die Rebhuhnbesätze sind seit der Erfassung im Jahr 2009 insgesamt um 40 % zurückgegangen! Lediglich beim Fasan ist eine Stabilisierung der Population festzustellen, er kommt in über der Hälfte der Reviere vor. Fasanen stellen im Allgemeinen geringere Ansprüche an den Lebensraum und kommen mit den aktuellen Bedingungen offenbar besser zurecht. Um die klassischen Niederwildarten in den brandenburgischen Revieren langfristig zu erhalten, sind aktive Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung und Raubwildreduktion notwendig. Dazu zählt auch eine weniger bürokratische Förderpolitik.

Marderhund und Waschbär kommen laut der FE 2017 fast flächendeckend in Brandenburg vor, Minke wurden in jedem fünften Revier bestätigt. Alle 3 Arten gelten als invasiv. Negative Einflüsse auf die Biodiversität und der damit verbundenen Ökosystemleistungen sind neben Prädation, die Übertragung von Krankheiten (Staupe, Räude) und die Verdrängung heimischer Arten (Mink versus Iltis). Aufgrund des Fortschritts der Verbreitung vor allem von Waschbär und Marderhund ist eine flächendeckende Reduktion nur durch Schaffung gezielter Fördermaßnahmen (Fangprämien, Bereitstellung von Fallen, Balgverwertung) realistisch.

Marderartige kommen in Brandenburg häufig vor. So sind Steinmarder fast flächendeckend vertreten, Baummarder kommen in fast dreiviertel der erfassten Reviere vor. Eher seltener sind Iltisse, hier lagen aus knapp der Hälfte der beteiligten Jagdbezirke Meldungen vor. Während sich die Vorkommen beim Steinmarder seit der letzten Erfassung im Frühjahr 2011 kaum verändert haben, ist beim Baummarder und Iltis eine Zunahme zu erkennen. Die Vorkommen dieser FFH-Arten des Anhang V können somit als stabil eingeschätzt werden. Diese Daten fließen in den FFH-Bericht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) ein. Das Projekt WILD leistet damit einen wertvollen Beitrag zum verpflichtenden regelmäßigen Monitoring.

Aufgrund des Gewässerreichtums ist Brandenburg eines der Hauptvorkommensgebiete von Gänsen. In über einem Viertel der Jagdbezirke brütet die Graugans aktuell, in einem weiteren Viertel der Reviere kommen Graugänse vorübergehend vor. Die Vorkommen steigen seit Jahren kontinuierlich an. Kanada- und Nilgänse wurden in jedem zehnten Jagdbezirk bestätigt, die Brutvorkommen wachsen ebenfalls. Vereinzelt aber in der Entwicklung ebenfalls leicht zunehmend sind die Vorkommen von Nonnen- und Rostgänsen in Brandenburg.

Das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschland ist eine Initiative des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und seiner Landesjagdverbände. Jäger erfassen und dokumentieren ehrenamtlich bereits seit 2001 gemeinsam mit Wissenschaftlern die Verbreitung und Bestandsentwicklung ausgewählter Wildarten auf wissenschaftlicher Basis. So werden Tierarten gezählt, eingeschätzt und durch ergänzende Jagdstreckenanalysen die Populationstrends ermittelt sowie Totfunde (Tierfundkataster) erfasst. Der Bedarf an fundierten Daten – sei es in der Verkehrspolitik, in der Seuchenprävention oder im Natur- und Artenschutz – ist stetig angewachsen. Wir Jäger sind prädestiniert dafür, diese Daten durch die örtliche Präsenz auf der Fläche zu liefern. Durch die langfristige Dokumentation leistet die Jägerschaft einen wichtigen Beitrag zur Einschätzung der Biologischen Vielfalt in Deutschland und trägt zur Sicherung der jagdlichen Nutzung stabiler Wildtierpopulationen bei.

Quelle: Grit Greiser, Thünen-Institut für Waldökosysteme Eberswalde